Es scheint sehr ungewöhnlich zu sein, aber ich durfte in der letzten Woche zwei japanische Familien besuchen und die Lebensweise hinter den Mauern der kleinen Japanischen Häuser begutachten. Nennt mich Glückspilz oder was auch immer, aber ich habe an meinem zweiten Tag eine alte Dame kennengelernt. Vierundachtzig Jahre alt und sieht aus wie 60 oder so. Die gute Frau konnte perfekt Englisch und hat mir geholfen Produkte in dem crazy Japanshop zu identifizieren. Weil sie sich so gefreut hat, dass ich Englisch mit ihr gesprochen habe hat sie mir kurzerhand trotz aller erdenklichen Bedenken fremde Menschen einzuladen ihre Handynummer aufgeschrieben und mich zu ihrer Familie nach Haus eingeladen. Zwei Monate hatte ich keine Kapazität mich zu melden, aber jetzt ist es zum Glück passiert, denn was mich da vorletzten Sonntag erwartet hat beeindruckt mich auch nahhaltig sehr.

Japaner leben auf jedenfall auf sehr viel engerem Raum als der Durchschnittsdeutsche wage ich zu behaupten. Die alte Dame hatte eine sehr kleine Küche, ein mittelgroßes Wohnzimmer und ein kleines Arbeitszimmer. Dafür hat aber jede Japanische Familie diese beheizten Ritzespühltoiletten.

Die „junge“ Dame hat mir coolerweise Fotos von ihrer Eltern Hochzeit gezeigt und da muss ich sagen war ich sehr beeindruckt. Diese Fotos waren ca. 90-95 Jahre alt und dennoch sehr gut erhalten. Die Mutter war in einem japanischen Kimono gekleidet und wirklich Bildhübsch mit einer Frisur die bestimmt 6 Stunden lang von dem Friseur zubereitet wurde. Japanische Frauen tragen so eine weiße Kappe, zu sehen auf dem unten stehenden Link, die bedeutet, dass die Frau noch Jungfrau ist. War das Brautpaar dann an dem Tempel um zu beten wird die Kappe abgenommen und die Frau ist keine Jungfrau mehr.

Hochzeit

Die alte Dame, mit Namen Sumiko, lachte mich allerdings an und meinte, dass heutzutage das größtenteils nur noch symbolisch ist, weil die heutigen Japerinnen nicht mehr so enthaltsam leben.

Die Familie Sumikos schien sehr wohlhabend zu sein, weil sie sich damals einen Fotograf leisten konnten, was damals sehr unüblich da unbezahlbar war. Ihr Vater war Tierarzt und wurde damals mit einem Schiff nach Ägypten und Arabien gesendet um gute Rennpferde für den japanischen Kaiser einzukaufen. Dass muss man sich mal vorstellen. Da sind Leute ca. ein halbes Jahr lang mit dem Schiff durch die Welt gesegelt um Pferde für Pferderennen- und Wetten zu kaufen. Ich fand es wirklich sehr interessant ihr zuzuhören, denn immerhin stecken in ihr schon fast neun Dekaden Lebenserfahrung.

Auch neben diesen Geschichten ist Sumiko eine sehr beeindruckende Person gewesen. Abgeholt wurde ich von ihr in einem Auto! Kaum zu glauben was ich am Anfang für ein Schiss hatte dort mit zu fahren, wenn ich unsere alte Nachbarin Frau Zawalli so beim Autofahren beobachte wird mir schon immer ganz schlecht und ich denke mir „Mensch Ommi jetzt gib doch endlich den Lappen weg!“. Sumiko mit ihren 84 Jahren allerdings ist geheizt wie bekloppt und das mit einer Präzision einer schweizer Taschenuhr und das mit einem deutlichen „Now shut up I have to concentrate to drive“. Zu Hause war ein Computer mit Internet, Mail und Skype zu finde „Damit ich mit meinem amerikanischen Freunden Telefonieren kann“. Unglaublich aber wahr. Ihr Handy klingelte auch fröhlich alle 30 Minuten vor sich hin und wurde mit einem gut gelaunten „Moshi Moshi“ abgenommen. Sehr beeindruckend in diesem Alter.

Als letzte aber dennoch nicht minderkrasse Aktion dieser Power Oma (Sie selber nennt sich Super Obasan –> Obasan = Oma) war sie noch Professorin für Holzschnitzerei an der Michigan Universität (US) gewesen und hatte deswegen auch einige sehr beeindruckende selbst angefertigte Kunstschätze in ihrem kleinen Heim stehen.

Als kleine Gaumenfreude servierte sie Waffeln und ich verfeinerte diese mit guter deutscher Manier mit Vanilleeis was alle anwesenden Leute mit einem wohlklingenden schmatzen sehr genossen.

Hier sitze ich mit Sumiko an ihrem Küchentisch in ihrem Wohnzimmer. Im Hintergrund kann man die Küche sehen.

Hier sind Sumiko und ihre Nachbarin vor dem Bild, dass Sumiko selber geschnitzt hat. Sehr beeindruckend.

Sprengben vor Sumikos Bild. Natürlich musste ich auch einmal vor dem Stolz des Hauses stehen! Für das Bild hat ihr ein Geschäftsmann wohl ca. 30000 Euro geboten, aber verkaufen will sie es nicht solange sie noch lebt. Auch der Schreibtisch und alle anderen Holzgegenstände hat Sumiko selber geschnitzt.