Ich bin verwirrt, einige wissen das natürlich, aber dieses Mal meine ich es anders.

Das Japanische leben kann einen ganz schön schaffen. Lasst es mich doch einigen kleinen Beispielen verdeutlichen:

LINKSVERKEHR:

Die erste Woche habe ich noch laut geschimpft, wenn ich auf der rechten Seite der Straße gegangen bin und das Auto partout nicht aus dem Weg fahren wollte und das Vorbeifahren dementsprechend SEHR knapp war 🙂 Würde mich interessieren was der Autofahrer davon gehalten hat, dass ich auf der „faschen Seite“ gegangen bin.

In Woche zwei dachte ich dann das System verstanden zu haben, bis ich vor zwei Tagen morgens um 8 Joggen gegangen bin. Ich wusste einfach nicht mehr welche Seite jetzt richtig ist und zu allem Überfluss habe ich mich dann noch mit der Polizei angelegt, weil ich nach zwei vergeblich langen Minuten nicht mehr an der leeren Straße warten wollte. Wer hätte auch ahnen können, dass der nett aussehende Mann der mich die ganze Zeit beobachtet hat Polizist ist.

Das Geile an der Sache ist, dass er reden kann was er will, ich verstehe ihn nicht und irgendwie ist es lustig. Ich verstehe Ausländer in Deutschland, die diese Schiene konstant fahren.

Ich habe es dennoch zum Glück geschafft den Polizisten mit Sorry und Hai hai zu überreden mir nicht die Beine zu brechen oder sonstige typisch Japanischen Foltermethoden anzuwenden.

Ja und heute Morgen hat mich ein anderer Polizist mit seinen weißen Mickey Mouse Handschuhen schon wieder nett gegrüßt. Hach ja, das Leben ist schon toll.

Kleidungsstil (f):

Zu meinen täglichen Verwirrungen gehört unter anderem auch der Kleidungsstil Japanischer Frauen. Die Röcke hier sind wirklich seeehhhhrr kurz! Jemand hat mir das heute so erklärt: Japanische Menschen sind eher Brust- als Vaginal fixiert und das äußert sich zusehends in den Quadratmillimeter Stoff die hier aufgetragen werden. Bauchfrei etc. habe ich hier noch nicht gesehen und bis jetzt ist es noch kalt, ohh je, wohin soll das nur führen.

Folgendes Exemplar stapfte heute durch Rapongi

Folgendes Exemplar stapfte heute durch Rapongi

So läuft man im Hafen von Yokohama rum, wenn es extrem kalt ist... :)

So läuft man im Hafen von Yokohama rum, wenn es extrem kalt ist 🙂

Windows:

Mal abgesehen davon, dass ich zurzeit im extremsten Masse auf Kriegsfuß mit Windows stehe, hat das Windows in Japan inklusive Tastatur, Browser, Programme als auch Google die Japanische Schrift inne und ich könnte täglich kotzen 🙂 So scheint es mir unmöglich in Outlook 2003 die automatische Email- Abruffunktion zu aktivieren 🙂 maaaahn! Und da das nicht genug ist soll ich zwischen all diesen bunten Zeichen ein Programm mit der Programmiersprache OpenGL schreiben (die ich zurzeit erlerne) und das alles mit einer Japanischen Tastatur 🙂 Es ist wie damals… unglaublich langsam!

Toiletten:

Gott sein dank, es gibt Sie wirklich, die Arsch-mit-Wasser-reinige-Toiletten mit warmen Popospühlwasser, warmen Drehsitz und dem ganzen anderen Schnickschnack. Das Tolle ist, man kann die Stärke mit der Freund Anus gereinigt wird per 5 Stufen System genau dosieren kann. Stellt man auf Vollpower hört man denke ich das eine oder andere unmenschliche quicken aus Toilettenhäusern, denn es trifft genau da wo es nicht schön ist. Das schlimmste sind die zwei Sekunden zwischen aktivieren der Popo-clean Funktion und dem justieren des Reinigungssystems in denen man hofft „bitte nicht jetzt“. und dann gnihihi quiiiieeeck!

Bedienpanel einer Higtechtoilette

Bedienpanel einer Hightechtoilette

Luxustoilette Tokyo Narita, nur die Spülung hat nicht funktioniert, dafür war der Sitz allerdings warm. Entsprechenden Gestank mag man sich nicht vorstellen

Luxustoilette Tokyo Narita, nur die Spülung hat nicht funktioniert, dafür war der Sitz allerdings warm. Entsprechenden Gestank mag man sich nicht vorstellen

Eine weitere Luxustoilette. Warmes Poporitzspühlwasser, warmer Sitz, 5 Stufige Einstellmöglichkeiten der Sprühstärke bzw. des quickfaktors.

Eine weitere Luxustoilette. Warmes Poporitzspühlwasser, warmer Sitz, 5 Stufige Einstellmöglichkeiten der Sprühstärke bzw. des quikfaktors.

Englisch:

Ich freute mich vor meinem ankommen sehr meine Englischkenntnisse verbessern zu können, aber wer denkt die Japaner können gut Englisch denkt falsch. Wenn der Japaner Englisch kann, dann meistens nur in Wörtern und die kommen dann des Öfteren aus dem Wörterbuch 🙂 Also, wenn ich wiederkomme sind Grammatik und Wortschatz minimiert bzw. nicht mehr vorhanden. Wir durften Anfang der Woche an einer Guidance für das ITC (Bücherei etc.) teilnehmen und der Junge der dort reden musste transpirierte während der halben Stunde die wir mit ihm verbracht haben ca. 2 Liter Körperflüssigkeit. Es war ein klimatisierter Computerraum in dem es angenehme 18 Grad waren, der Schweiß kann also nur aus der Angst vor dem zu sprechenden resultieren.

Aber: Beschweren sollte ich mich lieber nicht, mein Japanisch ist nicht ein Deut besser!

Universität:

Hier kommt und geht man wann man will, ganz ehrlich, das ist unglaublich verwirrend für mich. Auch wenn man mal einen Tag nicht kommt juckt das keinen. Dafür ist es hier ganz normal den Samstag in der Uni zu verbringen. An diesen Punkt dachte ich mir hmm Benni da bist du ganz schlau und gehst einfach nicht hin, aber Pustekuchen, wir haben jetzt jeden Samstag ein ca. 3 Stuendiges Meeting mit den Professoren (auf Englisch, ohh jee!) mit Anwesenheitspflicht.

Status der Universität:

Ich finde es extrem cool, dass die Keio Universität wenn man Sie mit bekannten Universitäten vergleicht so ungefähr Harvard oder Cambridge ist. Kommt extrem gut auf dem Lebenslauf, nur nicht in Deutschland, denn hier kennt die Keio Universität keine Sau.:)

Campus:

Ich erinnere mich kurz etwas vom Campusleben erzählt zu haben, dennoch möchte ich hier noch ein paar Anmerkungen machen.

Das Campusleben würde ich hier mit dem der amerikanischen Universitäten in kitschigen Teeny Filmen vergleichen. Der Campus ist das Zuhause der Studenten und hier ist immer etwas los. Am Campus gibt es Musikclubs, Sportclubs, Tanzclubs, Fitnessstudios, ein riesiges Football-/ Baseballfeld, sozusagen alles. Mit deutschen Universitäten ist das nicht zu vergleichen. Ich bin sehr beeindruckt von diesem Gefühl, dass aufkommt wenn man über den Campus schlendert. Aus diesem Grund gehe ich eigentlich täglich zum Campus um dieses Lebensgefühl ein bisschen auf mich einwirken zu lassen, schließlich wird es das in Deutschland nicht mehr geben.

Cheerleading:

Als Tim und ich letztens aus dem Fitnessstudio kamen wunderten wir uns sehr Marschmusik zu hören und was auf uns wartete überraschte uns doch sehr: Kitschigste Marschmusik mit Cheerleadergirls die Keio schrien, Keio Plakate nach oben hielten und dabei tanzten und das alles in einer Qualität die dir die Schuhe auszieht. Ich dachte eigentlich immer die Japaner mögen die Amerikaner nicht, aber diese Universität kopiert den Amerikanischen Lebensstil zum Teil so stark, dass ich mich frage ob ich nicht zufällig in das falsche Flugzeug eingestiegen bin und nun in den USA bin. Allerdings muss ich nur einmal die Ohren oder die Augen aufmachen um sehr schnell und eindeutig zu wissen wo ich bin.

Automaten:

🙂 Automaten sind geil. So verliere ich täglich ca. 5-10 Euro, weil ich mich an den Automaten labe, die es hier an jeder Ecke gibt. Das an jeder Ecke könnt ihr euch nicht vorstellen, es ist wirklich an jeder Ecke, egal wie abgeranzt das Haus ist, egal wie unpassend der Automat in die Umgebung passt, es ist auf jeden fall immer ein Automat in der Nähe :). In den Automaten sind hauptsächlich Getränke aber manchmal auch Zigaretten oder Süßigkeiten. Wir haben auch gehört, dass es Schluepper Automaten geben soll :), wenn ich so einen finde gibt es ein Foto, versprochen!

Spinnerei... Eisautomat, tiefgekühlt in einer Zockerhöhle

Spinnerei... Eisautomat, tiefgekühlt in einer Zockerhöhle

Mir stellt sich bei Automaten täglich die Frage wer um alles in der Welt Omma Kruses Automaten am entlegensten Teil dieser Welt auffüllt und wer den Strom für die Dinger bezahlt. Immerhin gibt es immer warme und kalte Getränke.

Um den Eindruck zu verdeutlichen, dass wirklich überall Automaten sind möchte ich kurz den Weg in mein Fitnessstudio beschreiben. Man geht zur Tür hinein und geht zu einem Automaten um sich sein Ticket zu holen. Mit dem Ticket geht man dann zu der Trainerin, die einem den Schlüssel für die Kabine aushändigt. Ich frage mich wie viele Tickets man verkaufen muss um die Kosten der Anschaffung dieses Automaten zu rechtfertigen. Ich denke es ist nicht möglich schlagende Argumente dafür zu finden, denn die Kassiererin gibt es ja trotzdem noch.

Getränkeautomat wie es ihn überall gibt

Getränkeautomat wie es ihn überall gibt

Gleiches Verhalten gilt allerdings auch für einige Restaurants. Man möchte Essen bestellen, das geht aber nicht, man wird stattdessen freundlichen darauf hingewiesen doch zuerst ein Ticket am Automaten zu ziehen. Leider kann einem der Automat nicht bei der Essensauswahl weiterhelfen, denn Kanji kann ich immer noch nicht lesen.

Bei der Bank gibt es ebenfalls Automaten 🙂 blöd nur, dass diese auch mit Kanji beschrieben sind. So habe ich letzte Woche die ganze Bank aufgemischt, weil ich mir fünf Tickets gezogen habe (fünf Auswahlfelder) um sicher zu sein, dass ich wirklich drankomme 🙂 Da war ein Alarm, das glaubt ihr nicht… „Sorry I don`t understand“ jaaa jaaa 🙂

Und wie einer. Heute habe ich ein abgespacestes Getränk gezogen, eine Mischung aus Red Bull, Dr. Pepper und irgendwas anderes. Der Geschmack war außerirdisch :)

Und wieder einer. Heute habe ich ein abgespacestes Getränk gezogen, eine Mischung aus Red Bull, Dr. Pepper und irgendwas anderem. Der Geschmack war außerirdisch 🙂

Zum Schluss noch das eine oder andere Foto für alle die es interessiert.

Frohe Ostern, God Bless!

SSS

Harajuku Chikkas: Sonntags ist Freakparade in Harajuku. Durch die Jahre hat es sich hier etabliert, dass Mädchen sich "aufstylen" um aus dem normalen Schulleben hervorzustechen. Die Frage die sich einem stellt ist, ob man wirklich so auffallen will.

Auch in Harajuku, ein Mann der in seiner Kindheit nicht Genug Liebe von seiner Mummy bekommen hat und sich deswegen von Touristen aus aller Welt umarmen lässt. Ganz schön arm wie ich finde, aber naja, wenn meint Glücklich zu werden soll es mir recht sein. Ich habe ihn auf jedenfall nicht umarmt :D

Auch in Harajuku, ein Mann der in seiner Kindheit nicht genug Liebe von seiner Mummy bekommen hat und sich deswegen von Touristen aus aller Welt umarmen lässt. Ganz schön arm wie ich finde, aber naja, wenn meint glücklich zu werden soll es mir recht sein. Ich habe ihn auf jedenfall nicht umarmt 😀

Zu den Harajuku Girls habe ich mich dann allerdings gesellt. Traurig ist nur, dass meine Kleidung auch ganz schön assi ist :)

Zu den Harajuku Girls habe ich mich dann allerdings gesellt. Traurig ist nur, dass meine Kleidung auch ganz schön assi ist 🙂

The next Olli Kahn ääääääähhhhhh

The next Olli Kahn "ääääääähhhhhh"

Ob ich meinen Hochzeitsabend auf dem Pier in Yokohama verbringen würde, ich weiß es nicht :) Auf jeden fall ein sehr schickes Paar und sie im schwarzen Kleid auch extrem hübsch gekleidet.

Ob ich meinen Hochzeitsabend auf dem Pier in Yokohama verbringen würde, ich weiß es nicht 🙂 Auf jeden fall ein sehr schickes Paar. Das schwarze Kleid gefiel mir so, dass ich die beiden ablichten musste.

Samurai Schule am Kaiserpalast, dort war ein Alarm!

Samurai Schule am Kaiserpalast, dort war ein Alarm!

Some Party People we met in Shibuya, Tim und ich lachen so extrem, weil der Japaner den wir gebeten haben das Foto zu machen es einfach nicht hinbekommen hat. Aufnahmedauer für ein Foto ca. 2 Minuten trotz Autofokus, negativrekordverdächtig!

Some Party People we met in Shibuya, Tim und ich lachen so extrem, weil der Japaner den wir gebeten haben das Foto zu machen es einfach nicht hinbekommen hat. Aufnahmedauer für ein Foto ca. 2 Minuten trotz Autofokus, negativrekordverdächtig!

Jau, es gibt sie auch hier. Bei frischer Tat ertappt :), by the way, Strafzettel gibt es auch für falsch geparkte Fahrräder, in Japan gibt es einfach nicht genug Platz!

Jau, es gibt sie auch hier. Bei frischer Tat ertappt :), by the way, Strafzettel gibt es auch für falsch geparkte Fahrräder, in Japan gibt es einfach nicht genug Platz!

Auf einer Hardcore shoppingtour durch Yokohama kam ich unter anderem an einem freinschmeckerladen vorbei und habe folgende Süßigkeit entdeckt. Die Auswahl an Läden hier übersteigt die deutsche Auswahl mit unter stark.

Auf einer Hardcore shoppingtour durch Yokohama kam ich unter anderem an einem freinschmeckerladen vorbei und habe folgende Süßigkeit entdeckt. Die Auswahl an Läden hier übersteigt die deutsche Auswahl mit unter stark.

Wer Lost in translation gesehen hat weiß vielleicht, wieso der Jonny da so angestrengt aussieht...

Wer Lost in translation gesehen hat weiß vielleicht, wieso der Jonny da so angestrengt aussieht...

Zum Schluss dann noch ein unbearbeitetes Kunstwerk, dass ich in Yokohama aufgenommen habe. 20 Sekunden Belichtungszeit, 4 Positionen meiner selbst

Zum Schluss dann noch ein unbearbeitetes Kunstwerk, dass ich in Yokohama aufgenommen habe. 20 Sekunden Belichtungszeit, 4 Positionen meiner selbst